Trauma

In den letzten Jahren wurde die erhebliche Bedeutsamkeit von Traumatisierungen für die Entstehung psychischer Erkrankungen immer deutlicher herausgearbeitet und auch erforscht. Hierdurch hat sich die Traumatherapie rasant weiter entwickelt und ist heute aus ambulanten und stationären Psychotherapien nicht mehr wegzudenken.

Bisherige psychotherapeutische Behandlungsansätze wurden kritisch reflektiert und für traumatisierte KlientInnen neue Ansätze entwickelt, die die Besonderheiten der posttraumatischen Hirnphysiologie mit einbeziehen.

Dadurch konnte traumatisierten Klient*innen wesentlich effektiver geholfen werden.

Ich möchte mit dieser Internet-Information dazu beitragen, diese Erkenntnisse sowohl Fachleuten als auch Betroffenen zugänglich zu machen, um die Bewältigung traumatischer Erfahrungen zu erleichtern.

Da der Begriff „Trauma“ en vogue ist und zunehmend inflationär gebraucht wird, ist es mir wichtig, ihn sorgfältig zu definieren.

Ein Trauma ist ein gewaltvolles oder überwältigendes Ereignis, das die Bewältigungsstrategien eines Menschen überfordert, so dass dieser Mensch auf besondere Notfall- oder Überlebensstrategien zurückgreifen muss.
Häufig geht dieses Ereignis mit einer  (Lebens-) Bedrohung einher, kennzeichnend ist ein ausgeprägtes Erleben von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Auslieferung.

Eine Traumatisierung ist die Reaktion eines traumatisierten Menschen auf dieses Ereignis, die individuell sehr unterschiedlich sein kann.

Wie heftig, wie verstört oder wie nachhaltig ein Mensch auf ein traumatisches Ereignis reagiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

•    der Art der Traumatisierung,
•    dem Alter der betroffenen Person
•    der Dauer oder Häufigkeit der Belastung
•    der Gefahr einer Wiederholung
•    der Beziehung zum Täter
•    der Reaktion des Umfeldes
•    der Lebensumstände vor und nach dem Ereignis
•    der Regenerationsmöglichkeiten
•    der Art der Unterstützung bei der Bewältigung
•    der körperlichen Folgeschäden durch das Trauma

Einerseits gibt es Traumata, die durch „höhere Gewalt“ verursacht werden, wie z.B. Unfälle, Naturkatastrophen, Schicksalsschläge oder schwere Erkrankungen. Sehr viel häufiger sind andererseits so genannte „man made“ Traumata, also überwältigende Erfahrungen, die von Menschen verursacht wurden wie Angriffe, Überfälle, sexualisierte und häusliche Gewalt. Hier wird nicht nur das Leben an sich erschüttert, sondern auch das Vertrauen in andere Menschen, was den Heilungsprozess deutlich erschweren kann.

Besonders gravierend wirkt sich dies aus, wenn traumatische Verletzungen in der Kindheit (über längere Zeit) durch Bezugspersonen zugefügt werden, da das Kind naturgemäß von Erwachsenen abhängig ist und sich daher nicht in Sicherheit bringen oder wirkungsvoll zur Wehr setzen kann.

Insbesondere bei sexualisierter Gewalt kommt hinzu, dass Scham- und Körpergrenzen massiv überschritten werden, meist besteht zusätzlich ein Redeverbot, was verhindert, sich in dieser Situation Hilfe zu holen. So kommt es meist auch zur Isolation, das Erlebte kann nicht bearbeitet und bewältigt werden.

Schließlich gibt es kollektive Formen der Traumatisierung z.B. durch Kriege.
Auch Verfolgung aufgrund einer ethnischen  oder religiösen Zugehörigkeit, aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder wegen politischen Engagements kann hierzu gezählt werden. Diese Form von Gewalt geht häufig mit zerstörerischer struktureller Gewalt und gravierenden Spaltungen in einem ganzen Gesellschaftssystem einher, auch kann es zu Folterungen, also gezielt eingesetztem Sadismus, kommen.

Ein Trauma ist dadurch gekennzeichnet, dass es überwältigend ist, d.h. nicht mit den üblichen Strategien handhabbar gemacht werden kann.
Seele und Körper können der Situation nicht entgehen, weder Flucht noch Kampf (flight or fight) sind möglich. Die Seele greift dann zu einer Notfall-Reaktion, indem sie „dissoziiert“ (Dissoziation=Abspaltung).

Dies ist eine Art Flucht nach innen, um das Erleben auszublenden, sich vor Schmerz und Ohnmacht zu schützen. Ein Mechanismus, der hilft nichts mehr zu fühlen, sondern Unerträgliches abzuspalten, vielleicht sogar ganz zu vergessen. Dies entspricht dem Totstell-Reflex im Tierreich, wenn ein Tier sich massiv bedroht fühlt.

Verarbeitung im Gehirn

Im Gehirn werden traumatische Erfahrungen in einem eigens hierfür vorgesehenen Gedächtnismetzwerk aufbewahrt, das sich vom Alltagsgedächtnis unterscheidet.
Durch Auslösereize, z.B. ein Geräusch, ein Geruch, ein Bild o.ä. kann das Trauma-Gedächtnis aktiviert werden, so dass plötzlich Erinnerungsblitze in das Alltags-Erleben „einschießen“.
Diese werden auch als „Flashbacks“ bezeichnet und führen dazu, sich von Trauma-Erinnerungen überflutet zu fühlen. Oft ist eine Unterscheidung zwischen Trauma-Erinnerung und realer Situation kaum noch möglich, es kommt zu einem Hier-und-Jetzt-Erleben.

Weitere Symptome

Traumatisierte Menschen haben häufig Ängste, die mit der erlebten Gewalt in Zusammenhang stehen oder sich hiervon bereits abgekoppelt und verselbständigt haben.
Auch kann es zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten kommen, um nicht mit Erinnerungen oder Ängsten konfrontiert zu werden.

Schlafstörungen, deutlich erhöhte Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit, Übererregbarkeit, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, verminderte Belastbarkeit und Erschöpfung sind weitere häufige Symptome.

Es kann zu Depressionen und sozialem Rückzug kommen sowie dem Gefühl, mit der Alltagsbewältigung überfordert zu sein.

Auch Suchterkrankungen, Ess-Störungen, Lebensüberdruss und Suizidalität, selbstverletzendes Verhalten oder weitere selbstschädigende Verhaltensweisen können die Folge sein.

Das Trauma selbst kann körperliche Erkrankungen, Schäden oder Behinderungen verursacht haben.

Ein unverarbeitetes Trauma kann auch eine somatoforme Störung zur Folge haben. Hierbei handelt es sich um eine Verschiebung von seelischer Not oder seelischem Schmerz in den körperlichen Bereich (Soma=Körper).
Auch Körper-Erinnerungen an ein Trauma zeigen sich oft in Form schmerzhaften Körper-Erlebens.

Prinzipiell finde ich es schwierig, Krankheitsbegriffe auf traumatisierte Menschen anzuwenden, da sie ja „gesund“ auf ein schreckliches Ereignis reagieren. Dennoch ist es wichtig, sich über Traumafolgen auch verständigen zu können. Hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang, den Begriff der Störung als „Verstörung“ oder als ein „Gestört-werden“ zu begreifen.

Im Folgenden möchte ich häufig verwendete Diagnosen (nach ICD-10) kurz beschreiben.

Direkt nach einem Trauma kann es zu einer akuten Belastungsreaktion kommen, die über Tage bis zu einigen Wochen anhält und noch keinen Krankheitswert hat, sondern einer normalen Verarbeitungsreaktion entspricht.

Halten die Symptome länger an, so kann sich hieraus eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln, die mit den oben beschriebenen Symptomen einhergeht.

Diese PTBS kann in eine chronische Form übergehen, bei der sich dann auch deutliche Veränderungen der Persönlichkeit hinsichtlich Vertrauensfähigkeit in andere Menschen und in die Welt als solche bemerkbar machen, dann ist von einer Anhaltenden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung die Rede.

Insbesondere bei Menschen, die schon früh in ihrer Lebensgeschichte Gewalt erfahren oder destruktive Beziehungsmuster erlebt haben, kann es auch zur Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung kommen.

Hervorzuheben ist hier die Borderline-Persönlichkeitsstörung, die mit meist gravierenden selbstschädigenden Verhaltensweisen, schwer aushaltbaren Spannungszuständen und Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung einhergeht.

Wenn der Mechanismus der Dissoziation (Spaltung) ein gewisses Ausmaß überschreitet und auch die Alltagsbewältigung beeinträchtigt, dann ist ggf. auch die Diagnose einer Dissoziativen Störung gerechtfertigt. Hier zeigen sich dann häufige „Black-outs“ im Alltagsgeschehen, Gedächtnisstörungen, Veränderungen des Selbst-Erlebens wie neben sich stehen, aus dem Körper gehen, sich „wegbeamen“ (Depersonalisation) oder eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt wie Tunnelblick, sich wie in Watte fühlen, gedämpft hören, schwarz-weiß-Sehen (Derealisation).

Die ausgeprägteste Form der Dissoziation ist die Dissoziative Identitätsstörung (DIS), früher Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS) genannt. Hier war die erlebte Gewalt so extrem und so zerstörerisch, dass die Seele sich in verschiedene Anteile aufgespalten hat, um das zu überleben.

Aber auch weitere psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Angststörungen können eine Folge von Traumatisierungen sein, was noch immer häufig übersehen wird.

Nicht zuletzt kommen auch oft Somatisierungsstörungen vor, bei denen der Körper als schmerzhaft, gestört oder krank wahrgenommen wird, ohne dass dem eine organische Ursache zugrunde liegt.

In der nächsten Zeit wird es einen neuen Diagnoseschlüssel für psychische Erkrankungen geben, in dem auch die Traumafolgestörungen neu gefasst sind (ICD 11). Dieser befindet sich derzeit noch im Diskussionsprozess, bevor er dann verabschiedet und angewendet wird. Wenn er in Kraft tritt, werden auch die Informationen auf dieser Website aktualisiert.

Die folgenden Informationen können in der Broschüre „Trauma und Bewältigung“ nachgelesen werden, die Sie herunterladen oder als Papierversion bei mir bestellen können.

Traumatherapie

Der Schwerpunkt und die Dauer einer traumatherapeutischen Behandlung hängen auch von der Art der Traumatisierung ab.

Bei einem so genannten „Monotrauma“, also einer einmaligen überwältigenden Erfahrung z.B. einem Verkehrsunfall und ansonsten stabilen und unterstützenden Lebensumständen ist es durchaus möglich, nach einer kurzen Stabilisierungsphase das Trauma mit speziellen Techniken durchzuarbeiten, so dass die Therapie in wenigen Wochen oder Monaten abgeschlossen sein kann.

Bei so genannter „komplexer Traumatisierung“, d.h. häufigeren, länger anhaltenden oder biografisch frühen Gewalterfahrungen ist das Vorgehen anders, da hier zuerst Stabilität aufgebaut werden muss.

Meist haben die Traumaerfahrungen das Leben und die Persönlichkeit derartig stark geprägt, dass es vor allem darum geht, ein neues Selbstbild, verbessertes Selbstwertgefühl, Selbstfürsorge und Achtsamkeit für eigenes Erleben und eigene Grenzen aufzubauen.
Nicht selten geht es auch vorrangig darum, sich in Sicherheit zu bringen, wenn noch Kontakt zu Tätern besteht, oder eine destruktive Partnerschaft zu beenden.

Diese Phase der Stabilisierung kann Monate oder auch Jahre umfassen.

In der Traumatherapie geht es zunächst darum, die Ressourcen zu stärken, um ein Gegengewicht und Gegenbilder zu den schrecklichen Erfahrungen aufzubauen.

Das Wort Ressource stammt von dem franz. Wort source (Quelle) und meint Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kraftquellen, auch Hilfreiches und positive Bilder.

Erst wenn der Boden durch genug Ressourcen abgesichert wird, ist es sinnvoll, sich dem Trauma (-abgrund) noch einmal anzunähern.

Wenn dies zu früh und ohne ausreichende Steuerung geschieht, kann es zu einer sog. „Retraumatisierung“ kommen.

Jedes erneute Durchleben / Erinnern eines Traumas, das wiederum überwältigende Qualität hat, ist eine Retraumatisierung, weil die Seele diese Überflutung nicht integrieren und verarbeiten kann.

Jedes Flashback vertieft daher das Traumamuster und sollte so rasch wie möglich beendet werden.

Traumatherapie verläuft üblicherweise in Phasen, die in den nächsten Abschnitten kurz beschrieben werden.

Dabei gibt es in der Traumatherapie zunehmend Kontoversen, wie wichtig die Stabilisierungsphase sei. Insbesondere Verhaltenstherapeuten fordern, dass schneller Traumakonfrontation erfolgen solle, nur diese baue Symptome nachhaltig ab.

Viele komplex traumatisierte Menschen sind hierfür allerdings nicht stabil genug und können dadurch in schwere Krisen geraten.

Hier greifen schonendere Verfahren der Traumabearbeitung wie z.B. die TRIMB-Methode oder die Arbeit mit verletzten inneren Anteilen.

Dies ist für komplex traumatisierten Menschen meist die wichtigste Phase der Traumatherapie, die sich manchmal auch über Jahre erstrecken kann.

Für einige Betroffene reicht diese Phase auch aus. Sie haben danach ihre Symptome und die Auswirkungen ihrer Traumatisierung im Griff und eine so gute Lebensqualität erreicht, dass sie sich entscheiden, keine Traumadurcharbeitung mehr zu machen. Eine solche Entscheidung sollte respektiert werden.

In dieser Phase geht es um den Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung, um die Erarbeitung von Therapiezielen sowie um eine Bestandsaufnahme der Symptome, aber auch der Ressourcen und Kompetenzen der Klient*in.

In der Stabilisierungs-Phase lernen traumatisierte Menschen, auch mithilfe von Imaginationsübungen wie z.B. „Wohlfühlort“ oder „Tresor-Übung“, Distanz zum Trauma aufzubauen und hierdurch Überflutungen mit Trauma-Erinnerungen zu begrenzen.

Das Aufsuchen des Wohlfühl-Ortes oder Inneren Sicheren Ortes kann helfen, Ängste zu bewältigen, sich wieder sicherer zu fühlen und aufzutanken.

Die Tresor-Übung ermöglicht es, sich von belastenden Bildern zu distanzieren, indem diese in einem sicheren und verschließbaren Behältnis aufbewahrt werden, so dass sie nicht mehr den Alltag durchkreuzen.
Zu einem späteren Zeitpunkt könnten sie imaginativ dann aus dem Tresor hervorgeholt und gezielt bearbeitet werden.

In der Stabilisierungsphase geht es auch darum, die eigenen Symptome besser zu verstehen und hiermit konstruktiv umzugehen.

Es wird ein besseres Selbstwertgefühl erarbeitet, die sozialen Beziehungen werden verbessert und Fähigkeiten weiter entwickelt, sich abzugrenzen und für sich zu sorgen.

Es geht darum, Gefühle besser zu dosieren und hiermit klar zu kommen.

Auch wird zum Körper (wieder) mehr Kontakt aufgenommen.

Auch die Arbeit mit dem so genannten „Inneren Kind“ ist in dieser Phase sehr hilfreich.

Nicht selten kann bereits in dieser Phase vorsichtig mit sehr schonenden Formen der Trauma- und Triggerbearbeitung begonnen werden, die nicht einer klassischen Exposition (s.u.) entsprechen, sondern auf sanftere Weise Entlastung schaffen, z.B. TRIMB oder sog. Innere-Teile-Arbeit.

In dieser Phase wird das Trauma mithilfe spezieller erleichternder Techniken (z.B. EMDR, Bildschirm-Technik, TRIMB) noch einmal genauer betrachtet und durchgearbeitet.

Wichtig ist hierbei, dass dies kontrolliert und dosiert geschieht, damit es nicht zu einer Retraumatisierung kommt.

Voraussetzungen für die Durcharbeitung sind stabile Lebensumstände, äußere Sicherheit, ausreichende Selbstfürsorge, die Fähigkeit, sich selber Trost zu geben und die eigenen Gefühle aushalten und steuern zu können.

Noch bestehender Täterkontakt, insbesondere wenn dieser mit noch anhaltenden Grenzverletzungen und / oder Gewalterfahrungen einhergeht, ist eine absolute Kontraindikation für die Traumakonfrontation bezüglich der durch diesen Menschen verursachten Traumatisierungen.

Denn wer diesen Kontakt noch aushalten muss, braucht die Fähigkeit zur Dissoziation. Diese aber wird durch die Exposition genommen. Das kann zu sehr schwerwiegenden Krisen führen.

Leider wird das nicht in allen Therapien genug abgeklärt und berücksichtigt.

Die EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization Reprocessing) wurde von Francine Shapiro in den USA entwickelt. Sie hat sich zur Traumadurcharbeitung bewährt und daher weltweit recht rasch verbreitet.

Durch eine wechselnde Rechts-Links-Stimulation
(= bilaterale Stimulation) werden traumaverarbeitende Prozesse im Gehirn in Gang gesetzt. Hierfür können Augenbewegungen oder andere Reize eingesetzt werden, z.B. Klopfen auf Knie oder Oberarme, so genanntes „Tapping“.

EMDR ist möglicherweise vergleichbar mit den Augenbewegungen während des REM-Schlafs, bei dem Erlebnisse und Erfahrungen durch „Verträumen“ verarbeitet werden.

Durch die bilaterale Stimulation werden so genannte Trauma-Netzwerke aktiviert, also die „Dateien unseres Gehirn-Computers“, die traumatisches Material abgespeichert haben. Durch EMDR werden diese Erinnerungen re-aktiviert, durchgearbeitet und integriert.

Hierbei kann es auch zu heftigen Abreaktionen kommen, d.h. heftigen und bisweilen überwältigenden emotionalen oder körperlichen Erfahrungen.

Daher sollten EMDR-Behandlung nur von sehr erfahrenen und traumatherapeutisch gut ausgebildeten Therapeut*innen durchgeführt werden, damit es nicht zu Retraumatisierungen kommt.

Zudem setzt sie eine recht hohe Stabilität der Betroffenen voraus, um mit diesen Abreaktionen gut zurechtkommen zu können. Dissoziative Symptome können eine Kontraindikation darstellen und sollten vorher gut abgeklärt werden.

Bei der Bildschirm-Technik geht es darum, das erlebte Trauma wie einen alten Film mit großem Abstand noch einmal nachzuerleben und hierbei die begleitenden Erinnerungen, Gefühle, Gedanken und Körper-Reaktionen bewusst wahrzunehmen und „portionsweise“ zu verarbeiten.
Am Ende des Trauma-Filmes wird noch eine sichere Situation aufgerufen, bei der das Trauma ganz sicher zu Ende gewesen ist.

Damit dies nicht überflutend wird und aushaltbar bleibt, wird in der Vorstellung das Geschehen auf eine Leinwand oder einen Bildschirm projiziert, so dass die Szene mit sehr viel Abstand betrachtet werden kann.

Mit Hilfe einer (in der Phantasie vorgestellten) Fernbedienung kann zudem der Abstand vergrößert werden, z.B. indem der Bildschirm verkleinert oder der  Film mit der Freeze-Taste angehalten wird.
Auch können Filme und Bilder entschärft werden, z.B. indem die Farbe reduziert oder der Ton leiser gestellt wird. Hier sind der Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt.

Es wird während des Betrachtens des Trauma-Filmes nur so viel an belastenden Reaktionen zugelassen, wie noch aushaltbar ist. Es soll nicht zu Überflutungen oder Dissoziationen kommen.
Jeder Durchgang endet damit, dass die sichere Situation am Ende bewusst wahrgenommen wird.

Wenn nach einem Durchgang noch Reste von der Belastung bleiben, kann ein weiterer Durchgang durchgeführt werden, bis die Belastung deutlich nachgelassen hat.

Diese sehr schonende Methode wurde von Luise Reddemann entwickelt und beruht darauf, dass das Traumageschehen von einer Inneren Beobachter*in bearbeitet wird.

Erlebende Anteile, z.B. die traumatisierten Inneren Kinder werden an den „Inneren sicheren Ort“ gebracht und müssen an der Konfrontation nicht teilnehmen.

Auch kann auf anderen Sinneskanälen als dem Sehen gearbeitet werden, so dass Erinnerungen nicht nur in Form von Bildern bearbeitet, sondern auch Körpererleben oder andere Empfindungen zu Grunde gelegt werden können.

Während der gesamten Exposition bleibt der Abstand zum Geschehen erhalten.

Gefühle, Bilder, Gedanken und Körperempfindungen werden konsequent aus der beobachtenden Rolle heraus wahrgenommen, die betroffene Person selber muss nicht in das Erleben hineintauchen, so dass diese Art der Bearbeitung äußerst schonend und behutsam abläuft. Die Kontrolle bleibt jederzeit erhalten.

zum Kapitel die TRIMB Methode

In dieser Phase wird das Erlebte in die eigene Lebensgeschichte integriert und abgeschlossen.

Oft ist dann auch Trauern um Verlorenes oder Ungelebtes wichtig. Auch die Fähigkeit, sich selber Trost zu geben oder Trost durch andere Menschen anzunehmen, kommt in dieser Phase zum Tragen.

Oft stellen sich zu dieser Zeit auch Sinnfragen, das Erlebte wird in einen neuen Zusammenhang gebracht.

Häufig spielt auch die Auseinandersetzung mit Spiritualität eine wichtige Rolle.

Schließlich werden neue (Lebens-) Perspektiven entwickelt. Häufig ist in dieser Phase ein Haltungswechsel: „Vom Überleben zum Leben“.

Der Begriff „traumatic growth“ (traumabedingtes Wachstum) meint, dass durch die Bewältigung der traumatischen Erfahrung neue Ressourcen und Fähigkeiten entwickelt und genutzt werden und dass mehr Tiefe, Reife und Weisheit erlangt werden kann, was das Leben schließlich bereichert.

Diese beschriebenen Phasen laufen nicht strikt hintereinander ab, sondern in einem zyklischen Prozess, d.h. dass Elemente aus verschiedenen Phasen sich auch abwechseln können.
So wird z.B. nach einer Traumakonfrontation vielleicht wieder Stabilisierungsarbeit erforderlich.
Die wichtigste Regel ist jedoch, dass keinesfalls zu früh mit der Traumadurcharbeitung begonnen werden soll, weil dies zu erheblichen Krisen und Retraumatisierungen führen kann, was dann den Heilungsprozess deutlich verzögert.

Suchen Sie sich eine Psychotherapeut*in, die eine spezielle Ausbildung in Traumatherapie durchlaufen hat und scheuen Sie sich nicht, danach bereits im Erstgespräch zu fragen.

In Traumatherapie geschulte Therapeut*innen geben hierzu bereitwillig Auskunft, da Aufklärung und das Beantworten von Fragen zum Konzept dazugehören.

Bei komplex traumatisierten Klient*innen sollte besonderer Wert auf Stabilisierung gelegt werden. Auch das Ausmaß der dissoziativen Symptome sollte gut abgeklärt werden, vor allem wenn Traumaexposition angestrebt wird.

Die „Chemie“ sollte stimmen, Sie sollten sich gut aufgehoben fühlen und Vertrauen fassen können. Ihre Grenzen und Bedürfnisse sollten respektiert werden.

Lassen Sie sich Methoden und Techniken gut erklären. Die angewendeten Methoden müssen zu Ihnen passen. Lassen Sie sich nicht Techniken verordnen, zu denen Sie kein gutes Gefühl haben.

In den letzten Jahren wurden zunehmend verhaltenstherapeutische Methoden entwickelt und verbreitet, die zum Teil sehr „hart“ und belastend sind und bisweilen auch recht dogmatisch vertreten werden. Sanftere Methoden werden dann oft als unwirksam entwertet, ohne dass dies bereits in vergleichenden Untersuchungen belegt worden wäre.

Diese Entwicklung ist unter Traumatherapeut*innen sehr umstritten und wird von vielen Expert*innen sehr kritisch gesehen.

Dem liegen meiner Einschätzung nach oft Schulen- und Richtungs-Konflikte zugrunde, die nicht auf dem Rücken von Betroffenen ausgetragen werden sollten.

Eine Zusammenfassung dieser Informationen über Trauma und Traumatherapie können in Auszügen in der Broschüre „Trauma und Bewältigung“ nachgelesen werden, die Sie herunterladen oder als Papierversion bei mir bestellen können.

“The slower you go, the faster you get there”

„Je langsamer du gehst, desto schneller kommst du ans Ziel“

(Richard Kluft)

Ellen Spangenberg · Ärztliche Privat-Praxis für Psychotherapie
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